Warum Werbung manchmal „Gedanken liest“ – und was László Lovász damit zu tun hat
- cthor01
- 31. Dez. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: vor 5 Stunden

Viele kennen dieses Gefühl:
Man unterhält sich mit Freunden über ein Thema und kurz darauf taucht genau dazu Werbung auf Instagram oder Facebook auf.
Die naheliegende Vermutung lautet oft: „Mein Handy hört mich ab.“
Die Realität ist weniger mysteriös aber mathematisch deutlich spannender.
Kein Abhören, sondern Wahrscheinlichkeiten
Moderne Werbesysteme arbeiten nicht mit einzelnen Suchanfragen, sondern mit statistischen Modellen. Sie berechnen, wie wahrscheinlich es ist, dass sich eine Person für ein Thema interessiert basierend auf Verhalten, sozialen Beziehungen und Mustern ähnlicher Nutzer.
Hier kommt die Theorie ins Spiel.
Der Bezug zu László Lovász
László Lovász ist einer der prägendsten Mathematiker im Bereich Graphentheorie und kombinatorische Optimierung.
Genau diese Konzepte bilden das Fundament vieler heutiger Werbe- und Empfehlungssysteme, dem sog. Real-Time Bidding:
Nutzer werden als Knoten in sozialen Graphen modelliert
Beziehungen (Freundschaften, gemeinsame Orte, ähnliche Interessen) sind Kanten
Werbung macht daraus ein Zuordnungs- und Optimierungsproblem unter Zeitdruck
Im Real-Time Bidding (RTB) müssen Algorithmen in Millisekunden entscheiden, welche Anzeige zu welchem Nutzer passt – ohne zukünftige Informationen zu kennen.
Lovász’ Arbeiten zu Online-Algorithmen, Approximationen und zufallsbasierten Verfahren liefern dafür die theoretische Grundlage. Die Grafik unten zeigt ein RTB-System, bei dem DMPs (Data Management Platform) Interesse modellieren und DSPs (Data Selling Platform) darauf in Echtzeit bieten.

Warum sich Werbung „zu passend“ anfühlt
Soziale Nähe ist ein starkes Signal
Wenn Menschen aus deinem Umfeld Interesse zeigen, steigst du statistisch in dieselbe Zielgruppe auf
Werbung wird oft explorativ getestet erst deine Aufmerksamkeit macht sie „real“
Unser Gehirn erledigt den Rest: Wir erinnern uns an die Treffer und vergessen die unzähligen Fehlversuche.
Fazit
Werbung liest keine Gespräche sie modelliert Wahrscheinlichkeiten.
Und diese Modelle sind so gut geworden, dass sie sich persönlich anfühlen.
Nicht wegen Magie.
Sondern wegen Mathematik.
Quellen & weiterführende Hinweise
Meta Transparency Center (Werbe-Targeting & Datenverwendung)
FTC & EU-DSGVO Stellungnahmen zu Audio-Tracking
L. Lovász: Graph Theory and Combinatorial Optimization
Varian, Shapiro: Information Rules (ökonomische Grundlagen digitaler Märkte)




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